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Dienstag, 6. August 2013

Leipziger Köpfe: Modedesignerin Sandra Zenker



Sandra Zenkers Turnbeutel habe ich vor einigen Wochen auf einem Straßenfest in Leipzig entdeckt und fand sie so toll, dass ich gern einmal die Dame dahinter kennenlernen wollte. Die studierte Modedesignerin ist Neu-Leipzigerin und versucht gerade in unserem schönen Städtchen ein wenig Fuß zu fassen. Ich durfte einen sehr netten Nachmittag mit ihr verbringen und habe ihr jede Menge Fragen gestellt: 







Stell dich doch einmal kurz vor:
Mein Name ist Sandra Zenker. Ich habe erst eine Ausbildung zur Schneiderin gemacht, dann Modedesign in Trier studiert und mich dann aber dagegen entschieden, mich hauptberuflich der Mode zu widmen. Die Mentalität in der Branche ist tatsächlich recht hart, also schnupperte ich noch andere Bereiche rein. Ich habe dann ein Praktikum im Modejournalismus absolviert und anschließend im Film als Kostümassistentin gearbeitet. Ich war somit schon im größeren Rahmen "Mode" unterwegs, aber nicht als Designerin. Gerade die Arbeit beim Film hat sehr viel Spaß gemacht, aber das war auch nicht so das Wahre und dann bin ich nach Leipzig gekommen und habe entschieden nun alles auf eigene Faust zu machen. Ein eigenes Label und parallel ein Nebenjob zur Sicherheit. Da nähe ich z.B. für Labels aus Berlin für deren Musterkollektionen.  



Du gibst ja auch Nähkurse. Kannst du uns kurz erklären, wie das funktioniert?
Jeder, der möchte, kann einen Nähkurs bei mir machen und ich gehe dann auf die individuellen Bedürfnisse und auch Fähigkeiten ein – vom Anfänger bis zu Fortgeschrittenen. Es gibt dabei auch keine festen Zeiten. Die Leute melden sich einfach bei mir und dann machen wir einen Termin aus. Ein Kurs dauert in der Regel drei Stunden. Die Leute bringen ihr Material mit und haben häufig auch schon eine Vorstellung, was sie nähen möchten und ich erkläre ihnen dann, wie es funktioniert und wir nähen gemeinsam. Manche Dinge, die im regulären Geschäft nicht zu erhalten sind, kann ich natürlich auch besorgen. Zum Beispiel haben wir kürzlich einen tollen Rucksack genäht und dafür habe ich dann Lederbänder besorgt.  





Was hat dich gerade nach Leipzig verschlagen?

Leipzig hat mir einfach am Besten gefallen. Ich war hier schon als Teenager oft zu Besuch. Und dadurch, dass ich als Freischaffende gearbeitet habe, war es auch irgendwie egal, wo ich wohne. Gerade während der Arbeit beim Film bin ich viel gereist und konnte durch die günstigen Mieten hier weiterhin meine Wohnung halten. 

Was hast du denn bisher so für deine Kollektion „zum Anfang“ kreiert?
Also es ist ja im Moment keine richtige Kollektion, sondern ich lebe im Moment den Recycling-Gedanken und verarbeite alle Stoffe, die ich mal irgendwann selbst bedruckt habe. Ich wollte erstmal das, was ich habe, verarbeiten. Daraus mache ich im Moment schickere Turnbeutel, Nackenkätzchen gefüllt mit Kirschkernen für Verspannungen und den Winter sowie Schals. So langsam wächst das Ganze. 

Und das vertreibst du im Moment über den Online-Shop?
Genau, über Online oder bei Straßenmärkten.



Den Etsy-Shop von Sandra findet ihr hier: *klick*

Zum Weiterlesen hier entlang: *klick*



Wo möchtest du denn gern in den nächsten Jahren hin mit deinem Label?
Es stört mich im Moment, dass ich ja nur „Reste“ verwerte und die Dinge dadurch nicht als großes Ganzes zusammenpassen. Ich hätte gern eine richtige Kollektion hauptsächlich aus Accessoires und würde gern mehr für Männer machen, Hemden etc. Ganz weit gedacht würde ich auch gern eine Mini-Yoga-Kollektion designen. Ich mache selbst viel Yoga und merke immer wieder, dass es da viel hässliche Kleidung gibt. 




Wie würdest du denn deinen Stil beschreiben?
Ich würde sagen urban-schick. Es ist schon eine urbane Richtung, aber weniger sportiv. Es ist nur sportiv durch die Formen und z.B. dass es eben Turnbeutel sind, aber wenn ihr euch die Sachen genau anschaut, sind sie recht fein und schick durch die Stoffe und ihre Verarbeitung. 


Wovon lässt du dich beeinflussen? Sind das Trends in der Modewelt oder doch eher der Alltag?
Also ich bin ja so ein wenig Trend-Gegner. Manchmal benutze ich z.B. Farben, welche eine gewisse Zeit später modern werden. Meine Professoren meinten auch immer, ich hätte ein Gespür für Trends, aber ich mag sie nicht. An sich arbeite ich lieber ohne Trends sondern mit dem, was mir so in den Sinn kommt. Da prägt mich dann der Alltag und häufig die Natur, vor allem bei Prints. Und auch Bilder und Bildbände inspirieren mich.  





Kannst du uns denn an einer Modesünde aus deiner Jugend teilhaben lassen?
Oh ja, da gibt es ein Foto von mir. Das ist wirklich schlimm. Da war so 12 , ich trug einen schwarzen Mini-Rock mit weißen Adidas-Streifen, dazu ein blaues T-Shirt ebenso mit diesen Streifen, eine runde Nickelbrille und dazu so komische, beige-farbene Palladium-Schuhe, ganz hässliche Schuhe mit so einem Gummirand. Das sah wirklich schlimm aus und man hätte niemals gedacht, dass ich jemals so etwas studieren würde. 


Gibt es denn zur Zeit einen Trend wo du sagst: „Geht gar nicht!“ und/oder „Supertoll“?
Also den Neon-Trend finde ich ganz toll. Wobei es auch sehr vielen Leuten überhaupt nicht steht. Das ist etwas zwiespaltig. Aber an sich mag ich es, diese frischen Farben auf der Straße zu sehen. Was ich nicht so toll finde, weil es wirklich vielen Leuten nicht steht, sind diese ganz kurzen Shorts. 


Wie schätzt du denn Leipziger so modetechnisch ein?
Sehr durchwachsen. Also was ich hier auf jeden Fall gern mag, ist dieses: wir tragen etwas Altes, Kaputtes und sehen eigentlich scheiße aus, aber irgendwie auch gut. Dieser Second-Hand-Style. Dieser ist hier auch ein wenig cleaner und schlichter als in Berlin. Das gefällt mir ganz gut. Sonst finde ich Leipzig teilweise ein wenig unmodisch. Die Leute sehen sehr „normal“ aus. Mir fehlt manchmal ein wenig Farbe. 





Was sind denn so deine persönlichen Lieblingsorte in Leipzig?
Ja, viele. Also z.B. bei mir um die Ecke ist das Zum wilden Heinz, das ist ein Garten-Café in dem eine Ziege lebt. Da gehe ich sehr gern hin. Am Cossi bin ich unglaublich gern. Ich mag auch das Rathaus von Leipzig so, weil es aussieht wie ein Spuk-Schloss. Ich bin auch gern in den alten Passagen und mag das Flair von Leipzig mit den Häusern von 1800 und 1900. 


Welche Blogs verfolgst du denn so?
Ich bin kein regelmäßiger Blogleser, mag aber einen Kochblog zu vegetarischem Kochen namens http://weeatfine.com/, außerdem http://www.facehunter.org/ und http://toriabrightside.tumblr.com/




Danke für das interessante Gespräch, liebe Sandra!

Ich bin mir sicher, dass wir noch einiges von ihr hören werden und hoffe, dass die Leipziger KreativSzene Sandra und ihrem Label Eleonore Atelier genauso offen begegnet wie uns zu unseren Bloganfängen. Wenn ihr selbst einmal einen Nähkurs machen möchtet oder aus anderen Gründen mit ihr in Kontakt treten möchtet, erreicht ihr Sandra am Besten per Mail an sandra-zenker@hotmail.de. Demnächst treibt sie sich ein wenig in Prag herum und steht dann ab November 
wieder vollends zur Verfügung. 

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