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Dienstag, 8. Oktober 2013

Leipziger Köpfe: Sänger Shélhôm von Two Wooden Stones



Shélhôms Gesicht ist wohl den meisten Leipzigern mit Interesse für gute Live-Musik bekannt. Als Sänger der Band Two Wooden Stones oder auch als Solokünstler habe ich einige seiner Auftritte gesehen und mich in den Sound seiner Stimme und die Werke der Jungs verliebt. Und wie sich das für einen Groupie 2.0 gehört, widmen wir ihm heut eine Beitrag in unserer Rubrik Leipziger Köpfe. 








Stell dich doch einmal kurz vor! 

Hallo, mein Name ist Shélhôm und ich komme aus der Bretagne in Frankreich. Ich lebe mittlerweile seit 5 Jahren in Leipzig. Ich bin Musiker. Da ich ja aber wie jedes andere menschliche Wesen essen muss, habe ich noch ein paar weitere Jobs als freiberuflicher Französisch-Lehrer, Übersetzer und Synchronsprecher.


Die meisten Leipziger kennen dich wahrscheinlich als Sänger der Band Two Wooden Stones. Kannst du all unseren Lesern, die euch evtl. noch nicht kennen die Band und euren Stil kurz vorstellen?

Wir haben die Band kurz nachdem ich nach Leipzig gekommen bin gegründet. Angefangen habe ich mit unserem Schlagzeuger Jeau-Champ als Duo. Dann ging alles ganz schnell und Tiny Dawson (Keyboard) und Simon (Kontrabass) kamen hinzu. Aber ehrlich gesagt sehe ich Two Wooden Stones gar nicht als Band. Ich nenne es lieber ein sehr spannendes Abenteuer und Brüderschaft. Ich kann mir nicht vorstellen Musik zu machen oder in irgendeiner Weise kreativ tätig zu werden ohne eine enge Beziehung zu meinen Leuten. Die Jungs sind wie eine Familie für mich. Wenn ich etwas zu unserer Musik sagen soll: Naja das kann ich schwer sagen. Manche haben es “Freak Folk” getauft, was auch immer das bedeuten soll. Es ist eine Verbindung vieler Einflüsse (Rock/Folk/World/Blues), aber an sich spielen wir einfach die Musik, die wir selbst gern mehr im Radio hören würden oder über die Playlist eines Freundes entdecken würden. Wir beanspruchen nicht für uns, die Musik zu revolutionieren. Wir haben einfach Spaß und achten nicht auf die vorhandenen Kategorien. Um es kurz zu machen: Hört euch einfach an, was wir machen und schaut selbst ob ihr es mögt oder nicht.

Ihr findet Two Wooden Stones hier auf Facebook und auf ihrer Homepage.

Quelle: hier.


Und welche Projekte stehen bei euch demnächst so an? Gibt es weitere Soloprojekte?

In diesem Jahr ist sehr vieles passiert. Im Moment sind wir im Studio und nehmen unsere zweite LP “Looking for the Light” auf, welche im kommenden Winter released werden soll. Im letzten Sommer wurden wir von der Berliner Booking Agentur Tune Sisters angesprochen und sie haben sich mächtig für uns ins Zeug gelegt. Das Ergebnis ist, dass wir Anfang Oktober im Mittleren Osten (Türkei, Libanon, Ägypten, Irak, Vereinigte Emirate, Jordanien und Bahrain) touren werden. Darauf freuen wir uns sehr. In Dubai wurde sogar ein Interview mit dem Rolling Stone Magazine für uns organisiert. Wir fühlen uns sehr geehrt.






Als Solokünstler habe ich irgendwann ja einmal angefangen Musik zu machen und in diesem Jahr hatte ich das Gefühl, es wieder tun zu können. In der Praxis sieht das so aus, dass man sich in einen Zug setzt, seine Gitarre und einen Rucksack dabei hat und auf irgendeiner Couch schläft. Der Kontakt zu den Leuten und die Organisation ist so einfacher als mit einer gesamten Band. Und da alle Jungs in der Band arbeiten oder studieren, stehen sie nicht für jede Konzertanfrage zur Verfügung. Dann ändern wir einfach die Konstellation. Solo, Duo, Trio oder die gesamte Band. Am Ende kommt es nicht darauf an, wie viele mitkommen solange wir unsere Leidenschaft mit dem Publikum teilen können und immer mit der gleichen Intension und Energie.





Hinter jedem Song steckt ja sicherlich eine Geschichte über das Zustandekommen, seine Bedeutung oder ähnliches. Was steckt hinter deinem Lieblingssong?

Schwierige Frage: Ziehst du deinen Sohn oder deine Tochter vor? ☺ Ich bin stolz auf jeden Song, den ich geschrieben und aufgenommen habe, auch wenn sie an mancher Stelle noch nicht ganz ausgereift sind. Ich musste sie einfach aus meinem Kopf herauskriegen. Und ja, alle Songs haben eine sehr persönliche Bedeutung und einen persönlichen Hintergrund. Zum Beispiel nehmen wir im Moment einen Song namens “The Migration” auf, welcher über etwas berichtet, was ich im Oktober 2012 mit meinen Mitbewohnern erlebt habe. Wir besuchten die kleine sächsische Stadt Torgau und gingen dort zum See. Genau an diesem Tag hatten sich auch zehntausende Wildgänse dort vorgefunden in Vorbereitung ihre Reise in den Süden anzutreten. Die Sonne ging unter und sie flogen alle auf einmal los. Wir fühlten uns wie winzige Staubkörner in der ersten Reihe solch einer Show.


Quelle: hier

Zum Weiterlesen geht's hier entlang: *klick*


Was uns verbindet ist natürlich unsere Wahlheimat Leipzig. Was schätzt du denn an Leipzig besonders?

Leipzig ist der erste Ort nach Glasgow an dem ich arbeite und Steuern, meine Miete und Krankenversicherung zahlen muss. Hier habe ich Two Wooden Stones gegründet. Hier habe ich so viele Möglichkeit bekommen meine Musik zu spielen und habe so viel Unterstützung bekommen. Hier habe ich so viele tolle Menschen kennen gelernt und viel Energie und Zeit um auch etwas zurück zu geben und die lokale Musik-Szene zu unterstützen. Wenn wir sind, was wir tun (woran ich mit großer Überzeugung glaube), dann bin ich ein Leipziger.


Welche Rolle spielt Mode für dich? 

Nun ja, ich trage täglich Kleidung, vor allem im Winter … ha ha. Sorry, aber ich bin bei diesem Thema ziemlich Standard und langweilig. Ich versuche jegliches Shopping möglichst zu vermeiden und gehe ein Mal im Jahr in einen Second Hand Laden in Dresden um meine „Kollektion“ an durchlöcherten Hosen zu erneuern. Für die Bühne sieht das ein wenig anders aus. Ich mag es meinen Schottenrock zu tragen. Das ist so eine Art Ritual. Für mich bedeutet das „Stage Time“ und so komisch wie das vielleicht klingen mag, das gibt mir Mut dem Publikum entgegenzutreten.


Wie schätzt du denn Leipziger so modetechnisch ein? 

Etwas hat mich hier wirklich umgehauen: es ist ziemlich einfach die Zugehörigkeit der Leute zur jeweiligen sozialen Schicht zu identifizieren nur wenn man deren Kleidung betrachtet. Dazu muss ich erklären: in Paris wechselt ein Bauarbeiter oder Handwerker zum Mittag oder am Ende des Tages seine Kleidung um casual zu erscheinen, um sich eben optisch anzugleichen und den sozialen oder beruflichen Hintergrund nicht zu zeigen. Dasselbe passiert dort bei vielen Hipstern, die kaum ihre Miete bezahlen können, auf 12 qm ohne eigenes Bad leben, aber trotzdem immer noch modisch und aktuell gekleidet sind. In Leipzig, nehmen Handwerker, Maler usw. Einfach die Bahn und haben ihr Mittagessen in ihrer Arbeitskleidung und sagen: „Ich bin ein Arbeiter. Get over it!” Ich weiß nicht, ob das ein Relikt der Zeit der ehemaligen DDR ist oder ob das ein provinzieller Faktor ist, aber die Fashion Standards sind hier viel gelassener und das mag ich sehr.

Kannst du uns denn an einer Modesünde aus deiner Jugend teilhaben lassen?

Langes, dunkles, gelocktes Haar bis zur Brust, langer Mantel und die Lieblingsfarbe Schwarz. Ja, ich war mal ein Gothic. Gott sei Dank habe ich alle Beweise zerstört.


Wenn du Wochenendbesuch bekommst, was schaut ihr euch dann an oder was empfiehlst du Freunden, sich anzusehen bzw. zu unternehmen? 

Ich schaue mir nie wirklich mit Ihnen die Stadt an. Für mich liegt die wahre Stärke dieser Stadt im Clara-Zetkin-Park. Das ist wie eine Lunge mitten in Leipzig, die die Stadt in verschiedene Wohngegenden teilt und diese am Wochenende aufsammelt. Egal zu welcher Jahreszeit, dort finden sich immer tolle Eindrücke die sich einfangen lassen.


Wie schätzt du denn die Kreativ-Szene in Leipzig ein?

Da möchte ich gern nur über das sprechen, was ich kenne: die Musik-Szene ist wunderbar in Leipzig und das ist etwas, was lokale Medien häufig vergessen oder ignorieren. Ich glaube, Leipzig sollte sich wirklich auf seine Kinder fokussieren, wenn es um die Kunst geht. Natürlich sind Künstler aus England und den USA reizvoller und exotischer, aber gibt es da nicht eine „Hambuger Schule“ und Musik Szene in Brooklyn auf welche die Einheimischen sehr stolz sind? Wir sollten hier dieselben Synergien haben. Das haben wir auch in den vergangenen Jahren mit anderen Bands versucht, wie Long Voyage, Max von Wegen, Talking to Turtles, Doc Foster Band, In Pieces, Computer Says No, Alin Coen und viele, viele mehr. Da geht es ums Nummern austauschen, Wohnzimmerkonzerte organisieren und sich gegenseitig zu unterstützen. Wir vermitteln den Eindruck „underground” zu sein. Das sind wir tatsächlich, aber nicht weil wir das sein möchten. Zeitungen und Blogs vergessen einfach diese Szene hervorzuheben. Um das einfach mal klar auszudrücken: Es geht dabei nicht ums Ego, aber es scheint absurd, dass ein paar der vorher genannten Bands seit drei oder mehr Jahren existieren, oft ausverkaufte Konzerte im Werk II oder der MB spielen und immer noch ihren Namen in verschiedenen Medien falsch geschrieben sehen oder gar Fragen beantworten müssen wie: „Und wie war der Name eurer Band?“ ... Kein weiteres Kommentar .. Time to wake up!


Wir danken Shélhôm für seine ehrlichen Worte und hoffen, einen kleinen Beitrag "zur Besserung" geleistet zu haben, denn die Leipziger Musik-Szene hat wirklich einiges zu bieten. 






Das Interview wurde ursprünglich in Englisch beantwortet und nach bestem Wissen und Gewissen übersetzt. 



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