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Donnerstag, 24. Juli 2014

Leipziger Köpfe: Schneidermeisterin Lydia Kretschmer



Lydia Kretschmer ist ein Energiebündel mit großen Plänen auf die eine aufregende Zeit zukommt. Sie hat uns für diesen Samstag zur Eröffnung ihres Ateliers eingeladen und da sind wir ziemlich neugierig geworden. Aber lest erstmal selbst ...









Hallo liebe Lydia, stell dich doch einfach mal in ein paar Worten vor.
Ich bin gebürtige Leipzigern, Vollblut-Handwerkerin und gelernte Schneidermeisterin sowie Modegestalterin. Ich bin 25 Jahre und gründe gerade mein erstes eigenes Schneideratelier im schönen Leipzig. Zum Glück bin ich eine kleine Powerfrau und immer positiv eingestellt – und wenn mal etwas nicht so klappt wie geplant, löse ich meine Probleme kreativ. J


Du eröffnest am kommenden Samstag dein eigenes Maßschneider-Atelier. Wie kam es dazu und warum ausgerechnet in Leipzig?

Für mich war immer klar, dass wenn ich mich selbstständig mache, dann nur in meiner Heimatstadt. Hier habe ich Familie, Freunde und kenne auch einige Leute aus der Textilbranche. In einer fremden Stadt hätte ich vollkommen bei Null anfangen müssen, das wollte ich nicht.
Außerdem gibt es in Leipzig viel Raum für junge Kreative. Schneidermeister gibt es wenig –Jungmeister kaum. Ich hoffe, dass ich somit diese Nische füllen kann. Nachdem ich bei meiner letzten Arbeitsstelle festgestellt habe, dass die Bekleidungsindustrie nichts für mich Vollbluthandwerker ist, habe ich beschlossen mich in meinem Fachbereich, also als Maßschneidermeisterin selbstständig zu machen. Im Handwerk ist dies auch die logische Konsequenz, da der Meisterabschluss auf ein eigenes Unternehmen vorbereitet.


Was können die neugierigen Leipziger denn von dir als Maßschneiderin erwarten?

Sie können ein Rundum-Paket erwarten. Von der kleinen Änderung, dem Aufwerten eines aus der Mode gekommenen Kleidungsstückes bis hin zur Neuanfertigung ist alles dabei. Auch berate ich meine Kunden typgerecht bezüglich Farbe und Figur, erkläre Faserrohstoffe sowie deren Pflegebedürfnisse und biete ein großes Stoffsortiment zur Auswahl an.
Bei einer Maßanfertigung nehme ich mir in einem Beratungsgespräch viel Zeit um das perfekte Outfit mit dem Kunden zu definieren. Ich fertige eine Modeskizze und beginne schließlich mit dem Maßnehmen, der Schnitterstellung und Fertigung des Outfits. Der Kunde kann während den Anproben immer wieder überprüfen ob ihm die Entwicklung gefällt. Dies schließt natürlich eine hochwertige Verarbeitung und optimale Paßform mit ein.



Das Musikviertel ist ja ein toller Ort für so eine kreative, handwerkliche Tätigkeit. War es schwierig, in Leipzig ein passendes Atelier zu finden?

Nein, eigentlich ging es recht schnell. Ich habe als erstes die passenden Stadtviertel eingegrenzt und bin dann auf die Suche gegangen. Ich hatte einige schöne Räumlichkeiten gefunden. Das liegt auch daran, dass ein Schneider sehr flexibel bei der Raumgestaltung sein kann. Ein großer Raum für die Kunden, ein kleiner für die Werkstatt und eine Miniküche reichen für den Start in die Selbstständigkeit erstmal vollkommen aus.


Du bist ja gebürtige Leipzigerin. Kommen denn alle irgendwann einmal zurück? Warum?

Ob alle irgendwann zurückkommen, weiß ich natürlich nicht. Ich wollte immer irgendwann wieder zurückkommen. Nun ist es etwas eher gewesen als ich gedacht hätte, aber das ist in Ordnung. Ich bin in allen anderen Städten nie richtig angekommen.
Weggezogen bin ich v.a. wegen der Ausbildung. In Leipzig gibt es kaum Ausbildungsbetriebe und so musste ich zwangsweise wegziehen um meinen Wunschberuf erlernen zu können. Nach der Ausbildung zur Maßschneiderin kam ich für ein Jahr zurück nach Leipzig. Ich versuchte Fuß als Schneidergesellin zu fassen. Das war nicht leicht, sodass ich mehrere Teilzeitstellen hatte um mich über Wasser zu halten. Nach diesem Jahr wurde ich an der Deutschen Meisterschule für Mode angenommen und zog wieder weg. Diese Schule gibt es nur einmal in Deutschland und da sie sehr renommiert ist, lohnte sich der weite Weg. Direkt nach meiner erfolgreich bestandenen Prüfung zur Schneidermeisterin und Modegestalterin fand ich eine Anstellung als Designassistenz bei dem Label „Heymann Moden“in Rostock. Direkt an der Ostseeküste zu arbeiten ist natürlich traumhaft, aber ich stellte schnell fest, dass die Bekleidungsindustrie ganz anders funktioniert wie das Handwerk – und so kam ich schließlich zurück.
Man kann also sagen, dass ich aus beruflichen Gründen weggezogen bin. Denn Leipzig ist eine traumhafte Stadt zum Leben, aber Arbeits- sowie Ausbildungsplätze sind im meiner Branche rar gesät. Hätte ich keine Meisterqualifikation hätte ich den Schritt in die Selbstständigkeit nicht gewagt und würde sicherlich noch woanders wohnen. 


Neugierig?! Hier geht's weiter ...



Gibt es einen Ort in Leipzig, an dem du besonders Kreativ sein kannst? 

Ich denke, dass ist in meiner Wohnung und in meinem Atelier. Also kein spezieller Ort.
Aber in Paris hatte ich solche Orte. Ich bin abends nach der Arbeit (hatte dort ein mehrwöchiges Praktikum absolviert) in die Museen gefahren und habe gezeichnet. Es gibt dort wunderschöne Orte, z.B. das Musée d’Orsay oder Petite Palais. Ich habe meistens Skultpuren abgezeichnet und Faltenwürfe geübt. Diese Zeichnungen sind auch überraschend gut geworden.


Wie viel Leipzig findet sich in deinen Entwürfen wieder?


Meine Kleidungsstücke haben eine entspannte Eleganz. Ich mag nicht gern so viel Schnickschnack und Blingbling. Aber die Sachen sollen natürlich trotzdem raffiniert und einzigartig sein. Ich habe festgestellt, dass die Leipziger auch eher versuchen unaufregend gut angezogen zu sein. Niemals too much! Lieber understatement.





























Diese Frage gehört für uns traditionell dazu: würdest du uns eine Modesünde aus deiner Jugend gestehen?

Als ich so ca. 12-14 Jahre war, trug ich fast ausschließlich so DDR-Sweatjacken. Ich hatte sogar eine in neonorange. Das sah natürlich schrecklich aus! Ich meine mich aber zu erinnern, dass das als Teenie damals gerade Trend war. Wahrscheinlich ein Ausläufer der Nostalgiewelle.


Sommerzeit ist Biergartenzeit – Hast du einen Lieblingsbiergarten?


Momentan grille ich oft mit Freunden an einem geheimen Platz am Kanal. Dort steht ein Leuchtturm und es gibt eine lange Holzbank. Dann kann der Hund meiner Schwester frei laufen und jeder bekommt sein Lieblingsbier günstig, weil selbstgekauft.


Danke für das Interview – nun erzähl uns noch schnell, wann wir dich zur Eröffnung besuchen dürfen und wo wir dich im Netz sonst noch finden.


Am Samstag, den 26.07.2014 steht mein Atelier allen Besuchern von 10-20 Uhr offen. Es gibt Getränke und Snacks, ihr könnt meine Werkstatt sehen, in den Stoffbüchern blättern und euch ausführlich über das Thema Maßschneiderei informieren.

Ihr findet mich in der Sebastian-Bach-Straße 19 in 04109 Leipzig.

Liebe Lydia, vielen Dank für das spontane Interview und viel Erfolg mit deinem eigenen Maßschneideratelier! Ihr findet sie übrigens auch hier


Kommentare:

  1. Die Kleider schauen echt richtig toll aus ;-)

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  2. leipzig kauft für 9mio einen spieler für die 2.liga... pffff.... leipzig.

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